Ausblick, Risiken- und Chancenbericht

Ausblick

Wirtschaftliche und branchenspezifische Rahmenbedingungen

Im Kalenderjahr 2018 wird das Weltwirtschaftswachstum voraussichtlich kaum an Tempo verlieren. Aktuelle Forecasts reichen von 3,1 % (Weltbank, Global Economic Prospects, Januar 2018) bis 3,9 % (Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook, Januar 2018) und liegen damit leicht über den Hochrechnungen für das Jahr 2017.

In den führenden Industrienationen wird die Wirtschaft wohl in ähnlichem Umfang wachsen wie 2017, wobei insbesondere in Japan mit einer etwas niedrigeren Wachstumsrate zu rechnen ist. Nachdem sich die Rohstoffpreise 2017 stabilisiert haben, dürfte in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Wirtschaftsleistung weiter steigen. Nach einer Steigerung der Wirtschaftsleistung in diesen Ländern von durchschnittlich 4,7 % im Jahr 2017 wird 2018 mit einem Wachstum von 4,9 % gerechnet. Für die darin enthaltenen Krisenländer der vergangenen Jahre, Brasilien und Russland, wird nach der Erholung im Jahr 2017 weiterhin ein positives Wirtschaftswachstum prognostiziert.

Nachdem sich die OPEC-Staaten im zweiten Halbjahr 2016 auf eine Begrenzung der Ölfördermenge geeinigt hatten, kam es zu einem Anstieg des Ölpreises, sodass dieser sich im Jahr 2017 zwischen 45 und 67 US-Dollar je Barrel bewegte. Für 2018 wird von einer Stagnation des Erdölpreises bei rund 58 US-Dollar je Barrel ausgegangen.

Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer weltweit

In %

Grafik: Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer weltweit
Wachstum BIP 2017 und 2018
Quelle: IWF, World Economic Outlook, Januar 2018

Für die Eurozone wird 2018 ein Wachstum von 2,2 % erwartet. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung wird dabei vom weiterhin starken privaten Konsum, der hohen Investitionsdynamik und den steigenden Exporten getragen. Die relativ starke Weltwirtschaft und die im gesamten Euroraum sinkenden Arbeitslosenzahlen stützen diese Entwicklung zusätzlich. Das Wachstum in der Eurozone ist wegen des noch unklaren Ausgangs der Brexit-Verhandlungen mit gewissen Unsicherheiten behaftet. Da der formale Austritt Großbritanniens aber erst im März 2019 erfolgen soll, sind die Unsicherheiten bezüglich des Jahres 2018 als relativ gering anzunehmen.

Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer europaweit

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Grafik: Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer europaweit
Wachstum BIP 2017 und 2018
Quelle: IWF, World Economic Outlook, Januar 2018

Die Zunahme der Wirtschaftsleistung in der Bundesrepublik wird 2018 mit 2,3 % etwas niedriger ausfallen als im Vorjahr. Die grundlegende Wachstumsdynamik bleibt aber erhalten. Die Frühindikatoren für die Wirtschaftsentwicklung in der Bundesrepublik erreichen derzeit ein sehr hohes Niveau. So liegen der ifo-Geschäftsklimaindex bei 117,2 und die ZEW-Konjunkturerwartung bei 17,4 Punkten.

Der Aufschwung steht in der Bundesrepublik auf einer breiten Basis und dürfte sich daher auch im Jahr 2018 fortsetzen. Der private Konsum (2018: 1,8 %) wird wie in den Vorjahren wesentlich zum Wachstum beitragen. Darauf deutet auch der auf hohem Niveau verweilende Konsumklimaindex der GfK hin. Er liegt aktuell bei 10,8 Punkten. Bei den derzeit stark wachsenden Bauinvestitionen wird das Wachstum 2018 wohl etwas geringer ausfallen als im Vorjahr (2018: 2,6 %). Die Ausrüstungsinvestitionen (2018: 5,1 %) und die Exporte (2018: 4,5 %) dürften deutlich an Fahrt zunehmen.

Die Rahmenbedingungen in Bayern und im Flughafenumland lassen eine weitere starke Zunahme der Verkehrsnachfrage am Flughafen München erwarten. Nach den Ergebnissen der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik wird die Einwohnerzahl Bayerns bis zum Jahr 2035 wachsen, vor allem in der Region München. Die Bevölkerung Oberbayerns wird um 11,5 % zunehmen. Auch der Prognos Zukunftsatlas weist für die genannten Regionen beste Zukunftschancen aus. Getrieben vom wachsenden Wohlstand und von einer zunehmenden Bevölkerung entwickelte sich in den vergangenen beiden Jahren vor allem das Aufkommen aus dem Kerneinzugsgebiet des Flughafens München positiv. Dieser Trend wird sich vermutlich auch in Zukunft fortsetzen.

Der weltweite Luftverkehrsmarkt wird weiter wachsen. Das Airports Council International (ACI) geht für 2018 von einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate des weltweiten Passagieraufkommens von 6,5 %. aus. Der Asien-Pazifik-Markt liefert dabei gefolgt vom europäischen Markt den größten Wachstumsbeitrag. Die jährliche durchschnittliche Wachstumsrate für Luftfracht beträgt für den gleichen Zeitraum weltweit 7,6 %. Für die Flugbewegungen wird ein jährliches Wachstum von 2,3 % prognostiziert. Hier werden ebenfalls die Regionen Europa und Asien/Pazifik den Großteil des Wachstums ausmachen.

Der deutsche Flughafenverband ADV blickt ebenfalls optimistisch in die Zukunft. Mit einem erwarteten Passagierwachstum von 4,2 %, einem Anstieg der Flugbewegungen um 1,0 % und einer Zunahme der beförderten Fracht um 5,1 % bahnt sich erneut ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 für die deutschen Verkehrsflughäfen an.

Prognostizierter Geschäftsverlauf

Die Geschäftsführung des Flughafens München blickt mit positiven Erwartungen auf das Verkehrsaufkommen 2018. So soll die Anzahl der Passagiere um circa 3 % zulegen und damit auf rund 46 Millionen ansteigen. Die Flugbewegungen werden in etwa auf dem Niveau des Jahres 2017 erwartet.

Es wird davon ausgegangen, dass die durch die Insolvenzen von Air Berlin und Niki wegfallenden Flugverbindungen im Jahr 2018 weitgehend durch andere Airlines kompensiert werden können. Die Geschäftsführung rechnet daher mit einer neutralen Entwicklung der Verkehrszahlen, da die Kundennachfrage weiter besteht und von anderen Airlines größtenteils abgedeckt wird. Bis 2019 wird davon ausgegangen, dass die negativen Effekte aus den Insolvenzen von Air Berlin und Niki im Wesentlichen überkompensiert sind, sodass dies die mittelfristige Entwicklung des Flughafens München nicht beeinträchtigt.

Grund für das Passagierwachstum sind neben der Anmeldung neuer Verbindungen insbesondere ein anhaltendes Wachstum der Umsteiger sowie eine ansteigende Sitzplatzauslastung. Den überwiegenden Teil des Wachstums trägt die Lufthansa-Gruppe bei – unter anderem mit der Neustationierung von mehreren Großraumflugzeugen des Typs Airbus A380 sowie mit der Aufstockung der noch jungen Eurowings-Flotte.

Neben der prognostizierten positiven Verkehrsentwicklung wird die zum 1. Januar 2018 erfolgte Erhöhung der Luftverkehrsentgelte um 2,6 % gemäß Entgeltrahmenvereinbarung zu einem Anstieg der Aviation-Umsatzerlöse führen.

Aufgrund der Air-Berlin-Insolvenz wird damit gerechnet, dass die Erlöse aus Abfertigungsdienstleistungen zurückgehen, da derzeit davon ausgegangen wird, dass die Fluggesellschaften, die das Air-Berlin-Geschäft übernehmen, ihre Abfertigungsleistungen mit konzernfremden Dienstleistern abwickeln werden.

Die prognostizierte Passagierzunahme für 2018 wird sich in der Regel auch positiv auf die Non-Aviation-Umsatzerlöse auswirken.

Im Einzelhandel erwartet der Flughafen München, abgesehen von einem verkehrsbedingten Umsatzwachstum, zusätzlich positive Effekte aufgrund von Konzeptänderungen, Umbaumaßnahmen und Neueröffnungen. Daher wird hier eine deutlich positive Entwicklung prognostiziert.

Die Erlöse aus Gastronomie und Hotel werden leicht über dem Niveau von 2017 prognostiziert. Eine reduzierte Großkundennachfrage im Hotel und Rückgänge aufgrund von Umbauten können durch gestiegene Umsätze infolge des Passagierwachstums kompensiert werden.

Bei den Umsätzen aus Vermietung und Verpachtung wird davon ausgegangen, dass die wegfallenden Erlöse infolge der Air-Berlin-Insolvenz durch positive Effekte aus dem Passagierwachstum und der Vermietung bisher leerstehender Räumlichkeiten annähernd kompensiert werden können.

Das Passagierwachstum im Jahr 2018 ergibt sich teilweise durch höhere Umsteigerzahlen und ein wachsendes Low-Cost-Segment. Von beiden Effekten partizipiert der Parkbereich nur in geringem Umfang. Daher ist das Wachstum in diesem Bereich eher verhalten.

Die Umsätze aus Werbung steigen. Dem anhaltend schwierigen Marktumfeld im Terminal 1 wird durch die Realisierung von Zusatzerlösen mittels neuer digitaler Werbeflächen sowie höherer Sponsoringeinnahmen entgegengewirkt. Im Terminal 2 verläuft die Entwicklung positiver.

Auch die übrigen Umsätze entwickeln sich positiv. Zu erwähnen sind hier steigende Consultingumsätze und die Ausweitung von Lounge-Aktivitäten im Terminal 1.

Insgesamt erwartet der Flughafen München einen moderaten Anstieg der Umsätze von circa 2 %.

Der Trend zu steigenden Materialaufwendungen aufgrund des zunehmenden Sanierungs-, Umbau- und Optimierungsbedarfs bei den Bestandsimmobilien wird sich im Geschäftsjahr 2018 weiter fortsetzen. Ebenso treibt der Flughafen München seine Projekte zur Immobilienentwicklung voran. Bedingt durch das Verkehrswachstum wird im Non-Aviation-Bereich der Materialaufwand analog zu den Umsatzerlösen steigen. Dagegen werden sich die Aufwendungen für Subunternehmer für Abfertigungsdienstleistungen am Standort Berlin-Tegel, bedingt durch die Insolvenz von Air Berlin, deutlich reduzieren.

Weiterhin rechnet die Geschäftsführung mit einem leichten Anstieg des Personalaufwands infolge von Tarifsteigerungen. Der Mitarbeiterbestand bleibt im Wesentlichen auf dem Niveau von 2017.

Die sonstigen Aufwendungen werden 2018 unter anderem wegen höherer Prüfungs-, Beratungs- und Projektleistungen sowie erhöhter Aufwendungen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit steigen. Diverse weitere Maßnahmen beziehungsweise Unwägbarkeiten, auch aus dem Wegfall des Air-Berlin-Geschäfts, werden erwartet.

Im Gegensatz dazu wird damit gerechnet, dass sich die Abschreibungen 2018 vermindern und sich daraus ein ergebnisverbessernder Effekt ergibt. Dies ist dadurch begründet, dass eine Reihe von Sachanlagen nach 25-jähriger Nutzungsdauer erstmals ganzjährig aus der Abschreibung entfallen.

Beim Finanzergebnis wird per saldo eine Verschlechterung erwartet. Zum einen werden sich die Zinsaufwendungen für das Gesellschafterdarlehen erhöhen, da die Geschäftsführung mit einem Anstieg des zugrunde liegenden Basiszinssatzes infolge wieder allgemein steigender Marktzinsen rechnet. Zum anderen geht der Flughafen München davon aus, dass das sonstige Finanzergebnis (Gewinne/Verluste aus Finanzinstrumenten) sinkt. Im Gegensatz dazu erwartet der Flughafen München eine Reduzierung der Zinsaufwendungen aufgrund der Bewertung der Finanzschulden aus Anteilen an Personengesellschaften.

Die Geschäftsführung erwartet insgesamt für den Konzern eine Veränderung des EBT zwischen -4,0 und -10,0 %.

Prognostizierte finanzielle und nicht-finanzielle Leistungsindikatoren

  2017   2018  
  Ist   Prognose  
      von bis
      % %
EBT in TEUR 229.240 Rückgang -4,0 -10,0
CO2-Einsparungen in Tonnen 14.367 Anstieg 22,1 27,1
Passagiererlebnisindex 78,53 Anstieg 0,0 0,5

Die am Flughafen München installierten PCA-Anlagen werden nach und nach in den Normalbetrieb übernommen. Dies wird zu signifikanten CO2-Einsparungen führen. Zusätzlich sollen auch weitere Effizienzmaßnahmen den Energiebedarf vor allem bei Beleuchtung, Raumlufttechnik, im IT-Bereich sowie im Gebäude- und Anlagenbestand verringern.

Der Flughafen München wird 2018 durch die Stärkung und den Ausbau des Passenger Experience Managements die kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen in puncto Passagierzufriedenheit weiter intensivieren. So ist beispielsweise geplant, das Serviceschulungskonzept zu überarbeiten und die Service- und Hospitality-Trainings weiter zu verstärken. Um die Zufriedenheit der Passagiere zu erhöhen, wird 2018 die Modernisierung der Toiletten im nicht-öffentlichen Bereich aller Module des Terminals 1 sowie die Toilettensanierung im Terminal 2 abgeschlossen werden. Ein neues Liningsystem mit integrierter automatischer Bordkartenkontrolle soll zu einem für Passagiere komfortableren Anstellvorgang, einer besseren Flächenausnutzung sowie einer gesamten Prozessverbesserung führen.

Hinsichtlich der Vermögens- und Finanzlage erwartet die Geschäftsführung trotz der geplanten hohen Mittelabflüsse für Investitionen in Großprojekte zum Ausbau des Flughafens einen positiven Free Cashflow für 2018 – wenn auch in der absoluten Höhe gegenüber 2017 abnehmend. Beispiele für geplante Großprojekte sind der Neubau eines Bürogebäudes und das Bodenmanagement in der AirSite West, die Teilerneuerung des Fernwärmenetzes, die Infrastruktur-Neuordnung im südlichen Bebauungsband und der S-Bahn-Tunnel für den Erdinger Ringschluss.

Auf der Aktivseite der Konzernbilanz werden die geplanten Investitionen die laufenden Abschreibungen übersteigen und zu einem Anstieg der langfristigen Vermögenswerte führen. Durch die für 2018 unterstellte weitgehende Thesaurierung des Ergebnisses steigt auf der Passivseite das Eigenkapital. Die Schulden sollen durch weitere Tilgungsleistungen bei den Darlehen reduziert werden. Eine gegenläufige Entwicklung und somit eine Erhöhung der Schulden ergibt sich aufgrund einer erhöhten Investitionstätigkeit.

Risiken- und Chancenbericht

Risikomanagementsystem

Die Geschäftsführung der FMG und aller Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ist für die Früherkennung und Abwendung von Risiken, die den Fortbestand des Verkehrsflughafens und der Beteiligungen gefährden, verantwortlich. Die Konzernleitung trägt die Gesamtverantwortung für ein effektives Risikomanagementsystem und legt mit der Kommunikation und Definition der Unternehmensstrategie und –ziele die wesentliche Grundlage dafür fest. Sie formuliert Vorgaben für den Prozess und die organisatorische Ausgestaltung des Risikomanagements.

Mit dem Risikomanagementsystem sollen Ereignisse und Entwicklungen, die sich negativ auf die strategische und operative Zielerreichung auswirken können, rechtzeitig erkannt und geeignete Gegensteuerungsmaßnahmen entwickelt werden. Es berücksichtigt alle Dimensionen der unternehmerischen Tätigkeit – sowohl ökonomische als auch ökologische und gesellschaftliche.

Die allgemeinen Grundsätze des Risikomanagements im Konzern sowie die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der im Risikomanagement beteiligten Funktionsträger regelt die Risikomanagementrichtlinie. Diese ist auf das international anerkannte Rahmenmodell »COSO ERM« (Committee of Sponsoring Organisations of the Treadway Commission – Enterprise Risk Management) ausgerichtet.

Als zusätzliche unterstützende Steuerungs-, Kontroll- und Überwachungsinstanz innerhalb des Risikomanagementsystems dient der Risikomanagementausschuss. Als ranghöchstes Organ des Risikomanagements ist er direkt der Geschäftsführung untergeordnet und besteht aus dem Geschäftsführer Finanzen und Infrastruktur, den Leitern der Geschäftsbereiche Aviation, Commercial Activities und Real Estate, den Leitern der Konzernbereiche Recht, Gremien, Compliance und Umwelt, Konzernentwicklung, Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement, Konzernsicherheit, Unternehmenskommunikation sowie dem Risikomanager. Die Leitung Compliance ist im Risikomanagementausschuss als Gast beteiligt. Aufgabe des Risikomanagementausschusses ist es, die Risiken aus Konzernperspektive zu analysieren und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen zu überwachen. Er unterstützt bei der Entwicklung des Risikomanagementsystems sowie bei der Risikoidentifikation, -beurteilung und -steuerung. Der Risikomanagementausschuss tagt vierteljährlich und beschließt den Risikobericht, der anschließend der Geschäftsführung und den Gesellschaftern vorgelegt wird.

Der Risikomanagementprozess umfasst die nachfolgenden Schritte. Zur Unterstützung dieses Prozesses ist systemseitig eine Koordinations- und Kommunikationsplattform eingerichtet.

Identifikation und Kommunikation von Risiken

Alle Bereichsleiter und Geschäftsführer der Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sind für die Identifikation und Bewertung von Risiken verantwortlich. In den jeweiligen Bereichen erfolgt die Koordination, Verwaltung, Dokumentation und Weitergabe aller risikorelevanten Informationen durch den jeweiligen Risikobetreuer. Der Risikomanager prüft die Risikomeldungen der Bereiche auf Plausibilität und Einhaltung der konzernweiten Standards zur Risikobewertung. Er fasst die Einzelmeldungen der Bereiche in einem Risikobericht unter Berücksichtigung der Wesentlichkeit für den Konzern, zusammen und berichtet vierteljährlich an die Geschäftsführung und Gesellschafter. Zudem besteht für erstmals identifizierte existenzgefährdende Risiken eine Ad-hoc-Berichtspflicht an die Geschäftsführung.

Als Grundlage für einen bewussten Umgang mit Risiken ist jeder einzelne Mitarbeiter in das unternehmensweite Risikomanagement involviert. Jeder Mitarbeiter trägt die Verantwortung, Gefahren in seinem Bereich zu beseitigen und Hinweise auf bestehende Risiken unverzüglich an seinen Vorgesetzten zu melden.

Bewertung von Risiken

Die systematische Risikobewertung ermöglicht es festzustellen, in welchem Umfang die einzelnen Risiken die Erfüllung der Unternehmensziele und -strategien des Flughafens München gefährden und welche Risiken sich möglicherweise bestandsgefährdend auswirken können. Dazu werden die Faktoren Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit/-häufigkeit in einer zweidimensionalen Risikomatrix dargestellt. Die Schadenshöhe beschreibt, mit welchem Ergebniseffekt bei Eintritt des Schadensereignisses zu rechnen ist. Die Eintrittswahrscheinlichkeit gibt an, wie sicher das Schadensereignis erwartungsgemäß eintreten wird. Bei im Zeitverlauf wiederkehrenden Ereignissen wird mit der Eintrittshäufigkeit gearbeitet. Zunächst erfolgt die Bewertung ohne Berücksichtigung von Maßnahmen zur Risikobegrenzung (Brutto-Risiken, siehe Abschnitt »Risiken«). Anschließend werden die Risiken nach Einleitung beziehungsweise Umsetzung von risikomindernden Maßnahmen bewertet (Netto-Risiken, siehe Abschnitt »Risiken«).

Risikohandhabung

Ausgehend von der Risikoanalyse werden im Einklang mit der Unternehmensstrategie und ökonomischen Aspekten geeignete Gegenmaßnahmen zur Risikohandhabung festgelegt. Zu den Strategien der Risikobewältigung zählen: kontrollieren, versichern, minimieren, eliminieren und abwälzen. Die Risikoverantwortlichen haben die Aufgabe, Gegenmaßnahmen zur Bewältigung von Risiken in dem jeweils betroffenen Bereich festzulegen und umzusetzen.

Risikoüberwachung

Der Risikomanager überwacht kontinuierlich die Effektivität des Risikomanagements. Zudem erfolgt eine separate Überwachung durch die interne Revision.

Compliance-Management-System

Compliance beinhaltet die Einhaltung aller für den Flughafen relevanten Gesetze, Vorschriften und Vorgaben, nationaler und internationaler Normen und Standards sowie unternehmensinterner Regelungen und Richtlinien. Der Flughafen München hat dazu ein konzernweites Compliance-Management-System eingerichtet, das die Gesamtheit aller organisatorischen Vorkehrungen, mit denen die Einhaltung der genannten Regeln gewährleistet werden kann, umfasst.

Die Konzerneinheit Compliance berichtet regelmäßig an die Geschäftsführung und jährlich an den Aufsichtsrat über den aktuellen Stand des Compliance-Management-Systems.

Darüber hinaus werden Compliance-Risiken bei Überschreiten der internen Schwellenwerte im Rahmen der Risikoberichterstattung an die Geschäftsführung und die Gesellschafter kommuniziert. Es findet ein regelmäßiger Austausch zwischen Risikomanagement und Compliance statt.

Compliance-Risiken erkennen und minimieren

Die Konzerneinheit Compliance erstellt jährlich gemeinsam mit den Bereichen die Compliance-Risikoanalyse und führt sie mit den Compliance-Risikoanalysen der Tochtergesellschaften zusammen.

Die Bewertung der Compliance-Risiken erfolgt analog zum Risikomanagement. Nach Abschluss der Compliance-Risikoanalyse wird die Geschäftsführung in einem Bericht über die Ergebnisse informiert.

Im Jahresbericht Compliance an den Aufsichtsrat der FMG wird ebenfalls über die Ergebnisse der Compliance-Risikoanalyse informiert. Liegen für ein Risiko trotz aller ergriffenen Gegenmaßnahmen ein hohes Schadenspotenzial und gleichzeitig eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit vor, wird dies näher im Bericht beleuchtet.

Für 2017 bleiben nach Berücksichtigung der getroffenen Gegenmaßnahmen keine erheblichen Compliance-Risiken bestehen.

Korruptionsprävention

Die Compliance-Grundsätze und die Geschenke-/Einladungsrichtlinie unterstützen Führungskräfte und Beschäftigte bei einem gesetzeskonformen und ethischen Verhalten am Arbeitsplatz. Sie sind im Intranet veröffentlicht und somit allen Beschäftigten zugänglich. Darüber hinaus verweisen die Grundsätze auf die Beachtung weiterer Richtlinien, die beispielsweise die Einhaltung des öffentlichen Vergaberechts bei Beschaffungs- und Vergabevorgängen, die Datenschutzorganisation oder die Informationssicherheit sicherstellen. Dadurch werden Prozessabläufe intern und extern transparent und nachvollziehbar. Bei Vergaben und Ausschreibungsverfahren fordert der Flughafen München von Bietern eine Verpflichtungserklärung, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Korruption zu vermeiden. Bei Verstößen sind Sanktionen vorgesehen, zum Beispiel der Ausschluss von der Auftragsvergabe.

Die Position des Antikorruptionsbeauftragten wird durch die Leitung der Konzerneinheit Compliance wahrgenommen. Für das Jahr 2017 sind keine bestätigten Korruptionsfälle im Konzern bekannt.

Kommunikation und Schulung

Eine Kernaufgabe der Konzerneinheit Compliance ist die Schulung und Beratung der Beschäftigten und der Führungskräfte in Compliance-Fragen, um so Compliance-Verstöße bereits präventiv zu verhindern.

Alle Mitarbeiter und Führungskräfte werden regelmäßig mit den Compliance-Dokumenten sowie mit ihren Aktualisierungen und Neuerungen vertraut gemacht. Sie müssen deren Kenntnisnahme jährlich persönlich gegenzeichnen.

2017 nahmen im Rahmen des Leadership-Excellence-Programms 61 Führungskräfte des Flughafen München Konzerns am dreistündigen Impulsmodul Compliance teil. Dieses beinhaltet neben den rechtlichen Grundlagen und der Verantwortung der Führungskräfte auch die spezifischen Vorgaben des Flughafen München Konzerns zum Thema Compliance und Korruptionsprävention. Seit Start des Moduls Ende 2013 wurden insgesamt 497 Personen geschult. Die Teilnahme an Compliance-Schulungen wird dokumentiert.

Geschäftsführung und Aufsichtsrat befassen sich in regelmäßigen Abständen mit dem Thema Compliance.

Elektronisches Hinweisgebersystem

Über ein elektronisches Hinweisgebersystem, das Business Keeper Monitoring System (BKMS®), können Mitarbeiter des Flughafens München, Geschäftspartner und auch Kunden Hinweise auf unternehmensschädigendes Verhalten geben. Daneben steht die Konzerneinheit Compliance internen und externen Personen auch über weitere Kommunikationswege (Telefon, E-Mail, persönliches Gespräch) als Ansprechpartner bei Hinweisen auf Compliance-Verstöße und zur Beratung zur Verfügung. In den Ausschreibungsunterlagen werden die Interessenten über die Möglichkeit zur Nutzung des BKMS® bei Verdacht auf einen Compliance-Verstoß informiert.

Datenschutz

Der Datenschutzbeauftragte des Flughafens München gehört organisatorisch der Konzerneinheit Compliance an, übt seine Tätigkeit jedoch weisungsfrei aus und ist unmittelbar der Geschäftsführung unterstellt. Erstschulungen der neuen Mitarbeiter beziehungsweise Auszubildenden sowie periodische Weiterbildungsmaßnahmen der Beschäftigten im Datenschutzrecht und zur Datensicherheit haben zur Sensibilisierung hinsichtlich datenschutzrechtlicher Bestimmungen beigetragen. Darüber hinaus ist in Einzelfällen eine fachliche und individuelle Beratung gewährleistet, die die Sicherheit im Umgang mit Datenschutzregelungen unterstützt.

Verstöße gegen den Schutz von Kundendaten beziehungsweise ein Verlust solcher Daten sind nicht bekannt.

Risiken

Im Folgenden werden die Risiken erläutert, die einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit beziehungsweise auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie die Reputation des Flughafens München ausüben könnten. Die Risiken werden jeweils vor (Übersicht Brutto-Risiken) und nach Berücksichtigung geeigneter Gegenmaßnahmen (Übersicht Netto-Risiken) dargestellt.

Die Risikobetrachtung bezieht sich auf die wirtschaftliche Belastung im angegebenen Betrachtungszeitraum. Zum 31. Dezember 2017 wurden für den Flughafen München folgende wesentliche Brutto-Risiken identifiziert:

Übersicht Brutto-Risiken

Grafik: Übersicht Brutto-Risiken

Risiken aus dem Eintritt von Ereignissen höherer Gewalt

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Naturkatastrophen Ein durch Starkregen bedingter Bruch der Isardämme bei Freising könnte zu einer Überflutung der Terminals führen. Sukzessive Erneuerung der Isardämme durch das Wasserwirtschaftsamt. In Teilen sind diese bereits saniert. Die Ereignisse Erdbeben, Sturm, Hagel und Hochwasser sind versichert.
Anschlag auf den Luftverkehr Die Gefahr terroristischer Anschläge auf den Luftverkehr besteht unverändert fort. Neben Personen- und Sachschäden wäre als Folge zumindest kurzfristig mit einem Rückgang von Flugbewegungen und Passagieren zu rechnen. Zur Abwendung eines terroristischen Anschlags ergreift die Konzernsicherheit strategische, operative sowie technische/organisatorische Maßnahmen: Vorhaltung ausreichender und gut ausgebildeter Personalressourcen, bauliche Maßnahmen zur Gewährleistung moderner und zugelassener Sicherheitstechnik und Infrastruktur, Überwachung der Dienstleistungsqualität durch nachhaltige Qualitätsmaßnahmen sowie ständiger Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden. Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen sind versichert.
Terror am Standort Durch terroristische Handlungen auf dem Flughafen-Campus besteht das Risiko von Personen- und Sachschäden. Eine weitere Folge solcher Ereignisse wäre zumindest kurzfristig ein Rückgang von Flugbewegungen und Passagieren. Zur Abwendung eines terroristischen Anschlags ergreift die Konzernsicherheit strategische, operative sowie technische/organisatorische Maßnahmen: Vorhaltung ausreichender und gut ausgebildeter Personalressourcen, bauliche Maßnahmen zur Gewährleistung moderner und zugelassener Sicherheitstechnik und Infrastruktur, Überwachung der Dienstleistungsqualität durch nachhaltige Qualitätsmaßnahmen sowie ständiger Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden. Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen sind versichert.
Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben Für Sicherheitsaufgaben in überlassenen Bereichen sind die Luftfahrtunternehmen verantwortlich. Luftfahrtunternehmen erfüllen in diesen Bereichen die gleiche Aufgabe wie Flughafenbetreiber, unterliegen jedoch nicht der gleichen Aufsichtsbehörde. Für den FlughafenMünchen besteht das Risiko, dass im Rahmen von Inspektionen Mängel in überlassenen Bereichen aufgedeckt werden und dadurch der Flughafen insgesamt seinen Sicherheitsstatus verliert. Fehlerhaftes Kontrollverhalten könnte zu Sach- und Personenschäden sowie Reputationsverlust führen. Aktuell ist ein Konzernunternehmen des Flughafens München mit der Wahrnehmung operativer Sicherheitsaufgaben in den überlassenen Bereichen beauftragt.
Markteinbruch durch Seuche/Krankheit Der Ausbruch von Epidemien/Krankheiten kann zu Markteinbrüchen mit reduzierten Flugbewegungen und Passagierzahlen führen. Aufgrund eines vergleichsweise hohen Fixkostenanteils kann der Flughafen München auf Markteinbrüche nur in begrenztem Ausmaß reagieren.
Großbrand Im Falle einer Beschädigung oder Zerstörung von Terminals oder Infrastrukturanlagen durch einen Großbrand ist mit Sach- und Personenschäden sowie bedeutenden und langfristigen Betriebsunterbrechungen zu rechnen. Zur Minimierung des Großbrandrisikos betreibt der Flughafen München alle notwendigen Maßnahmen des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes sowie eine eigene Flughafenfeuerwehr. Das Risiko Großbrand ist zusätzlich durch eine Feuerversicherung (Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung) sowie eine Betriebshaftpflichtversicherung (Haftpflichtansprüche Dritter) minimiert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.
Flugunfall Flugunfälle oder Schäden an Flugzeugen können zu Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen und Folgeschäden führen. Zur Minimierung des Risikos unterhält der Flughafen München eine Flughafenfeuerwehr, einen medizinischen Dienst und ein Seelsorgeteam. Das Risiko Flugunfall ist durch Haftpflicht- und Kaskoversicherungen minimiert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Marktrisiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Verlust/Beeinträchtigung Hub Ändert die Deutsche Lufthansa ihre Strategie, den Flughafen als Hub zu betreiben, hätte dies enorme Rückgänge in der Fluggast- und der Flugbewegungsentwicklung zur Folge. Die Zusammenarbeit des Flughafens München mit der DLH beruht auf gemeinschaftlichen Investitionen und langfristigen Kooperationsabkommen.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten von Airlines Die europäische Luftverkehrsbranche befindet sich in einer schwierigen Wettbewerbssituation. Auch am Flughafen München operierende Luftfahrtgesellschaften sind hiervon betroffen. Durch kontinuierliches Anwerben neuer Kunden sollen eventuelle Rückgänge bei den Bestandskunden kompensiert werden. Aufgrund der großen Nachfrage nach dem innerdeutschen und touristischen Verkehr kann damit gerechnet werden, dass Konkurrenten entstehende Lücken innerhalb kürzester Zeit füllen. Durch kontinuierliche Marktbeobachtung und Nähe zu Entscheidungsträgern von Airlines soll zeitnah auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden.
Konjunktur Als Folge einer schwachen Konjunktur können die im Planungsprozess unterstellten Wachstumsparameter nicht erreicht werden, was sich verschlechternd auf die Ergebnisentwicklung auswirkt. Während größerer Wirtschaftskrisen kann es zu einem Zusammenbruch der Kreditfinanzierungsmärkte kommen .Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) könnte zu negativen wirtschaftlichen Auswirkungen führen und bleibt zu beobachten. Die Reduzierung der Ausgaben mittels Kostenmonitoring, gegebenenfalls sozial verträglicher Personalabbau sowie eine kurzfristige Kürzung des Investitionsbudgets in nicht kritischen Bereichen sollen die Folgen von Konjunktureinbrüchen mindern. Zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit bestehen revolvierende Kreditlinien.

Betriebliche Risiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
EASA-Zertifizierung Ohne Erteilung des European Aviation Safety Agency (EASA)-Zertifikats könnte der Flughafen München seine Betriebsgenehmigung verlieren. Das Zertifizierungsverfahren wurde am 6. Dezember 2017 mit der formellen Übergabe des EASA-Zeugnisses erfolgreich abgeschlossen. Damit ist auch die Betriebsgenehmigung des Verkehrsflughafens München ab Januar 2018 weiter sichergestellt. Ab 1. Januar 2018 wird dieses Risiko daher aus der Risikoberichterstattung entfallen.  
IT-Ausfall Aufgrund von Brand, Wassereinbruch und Sabotage kann ein Schaden am IT-System entstehen. Ein Ausfall der IT für den Verkehrsbetrieb mit entsprechenden Betriebsunterbrechungen wäre die Folge. Im Bereich Cyber-Kriminalität ist ein zunehmendes, abstraktes Gefahrenpotenzial vorhanden, das einer stetigen Beobachtung und Einschätzung bedarf. Die unternehmenskritischen IT-Systeme sind grundsätzlich redundant und an räumlich getrennten Standorten untergebracht. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert.
Zur Abwendung einer Cybercrime-Attacke am Flughafen München besteht seit 2004 ein zentrales Informationssicherheitsmanagement, das strategische, technische und organisatorische Maßnahmen zur Abwehr von Cyber-Attacken vorgibt und kontrolliert. Das Risiko ist zusätzlich durch eine Versicherung minimiert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.
Wasserschaden Ein Wasserschaden durch den Bruch von Trink- oder Löschwasserhauptleitungen kann zu einem Ausfall von wichtigen Infrastrukturanlagen für den Flugbetrieb führen. Ferngesteuerte Notabschiebeeinrichtungen und zusätzliche Sicherungen der Rohrverbindungen begrenzen einen möglichen Schaden. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.
Ausweitung der EU-weiten Sicherheitsvorgaben Europäische Auflagen zur Luftsicherheit machen eine schrittweise Erweiterung der Anlagen für die Personen- und Gepäckkontrollen an Flughäfen erforderlich. Daraus resultierende Umbaumaßnahmen verursachen Kosten. Je nach Ausgestaltung kann durch den Umbau vermietbare Fläche verloren gehen. Der Flughafen München führt Optimierungsmaßnahmen durch, die den Flächenverlust minimieren.
Nichtbestehen einer EU-Sicherheitsinspektion Die Luftfahrtbehörden der EU führen Sicherheitsinspektionen an Flughäfen durch. Führt eine Inspektion zu erheblichen Beanstandungen, verliert der Flughafen München seinen Sicherheitsstatus. Die Folgen wären eine Erhöhung der Sicherheitsauflagen, erhebliche Behinderung in den betrieblichen Prozessen, Wettbewerbsnachteile sowie Imageverlust. Der Flughafen München führt ein durchgängiges und strenges Qualitätsmanagement zur Steuerung der Qualität aller Sicherheitsaspekte am Flughafen München durch. Nach bestandener Inspektion Ende 2016 sowie anforderungsgerechter Prozessoptimierung und Mitarbeiterqualifikation wird die Eintrittswahrscheinlichkeit für das Netto-Risiko als sehr gering bewertet.
Ver- und Entsorgungseinrichtungen Die unzureichende Verfügbarkeit von betriebsnotwendigen Stoffen wie Strom, Wärme, Kälte, Trink- und Löschwasser, Abwasser und Abfall kann zu Sachschäden und Betriebsunterbrechungen führen. Wartung und Instandhaltung, Netzredundanzen und Bevorratung reduzieren das Risiko von Versorgungslücken. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.
Sanierung Ground Handling Der Erfolg der Sanierung des ehemaligen Geschäftsbereichs Ground Handling könnte durch folgende ungewisse Ereignisse und Umstände gefährdet werden: nachhaltige Verkehrsrückgänge bei Bestandskunden, Abfertigungsverluste aufgrund der Abgabe von Teilflotten an Luftverkehrsgesellschaften, die nicht zum Kundenportfolio gehören, aggressive Preispolitik der Wettbewerber und zunehmender Preisverfall am Flughafen München. In den Verhandlungen zur Verlängerung des Langfristvertrags mit einem wichtigen Kunden der AeroGround wurde Ende 2016 ein neuer Vertrag abgeschlossen. Dadurch konnten einhergehende Sanierungstarifverträge verlängert werden. Ständige Kontrolle und Reporting des Sanierungsfortschritts beziehungsweise -pfads. Im Fall eines Abfertigungsverlusts werden Kapazitäten und damit einhergehende Kosten abgebaut.
Personalbeschaffung/ Rekrutierung Die Personalbeschaffung gestaltet sich in den unterschiedlichen Berufsgruppen zunehmend schwierig. Ursachen hierfür sind unter anderem der angespannte Arbeitsmarkt in der Region, die hohen Kosten für Wohnraum, das steigende Alter der Belegschaft sowie die hohe Fluktuation im Bereich der Bodenverkehrsdienstleistungen. Zur Gegensteuerung wurde eine Arbeitsgruppe installiert. Diese hat das Ziel, ein konzernweit abgestimmtes Vorgehen sowie zielgruppenspezifische HR-Marketing- und -Beschaffungskonzepte zu entwickeln.
Weitere Maßnahmen sind die Intensivierung der Ausbildungsaktivitäten, die Forcierung des Hochschulmarketings sowie die Präsenz auf Messen und Jobbörsen. Zudem wurden Projekte initiiert, um bezahlbaren Wohnraum für Konzernbeschäftigte zu schaffen. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Rechtliche Risiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Dritte Start- und Landebahn Für den Fall, dass das Projekt zur dritten Start- und Landebahn endgültig eingestellt oder um einen erheblichen Zeitraum verschoben werden muss, sind alle bisher angefallenen Planungs- und Grunderwerbskosten auf ihre Werthaltigkeit hin zu überprüfen und gegebenenfalls abzuschreiben. Ohne Kapazitätserweiterung durch den Bau der dritten Start- und Landebahn könnte es zu einem signifikanten Unternehmenswertverlust kommen. Das Ausbauprojekt wird weiter zu erörtern und das weitere Vorgehen zu entscheiden sein. Der positive Gerichtsbeschluss vom 19. Februar 2014 war ein wichtiger Meilenstein im Hinblick auf die Begrenzung der rechtlichen Risiken für die Projektumsetzung. Darüber hinaus setzt sich der Flughafen München in der Politik für die Ausbaumaßnahmen ein. Die fundierte Überzeugungsarbeit für die dritte Start- und Landebahn wird weitergeführt.
Flächenenteisungsmittel Es wird vermutet, dass die Formiate des gegenwärtig verwendeten Flächenenteisungsmittels die Oxidation von Flugzeugbremsen beschleunigen. Im internationalen Normierungsgremium SAE (Society of Automobile Engineers) wird über ein Verbot von Formiatenteisungsmitteln diskutiert. Als Alternative gibt es derzeit am Markt nur Enteisungsmittel auf Glykolbasis, deren Einsatz am Flughafen München vom Umweltministerium nicht zugelassen ist. Im Falle eines Verbots müssten zur Einhaltung der wasserrechtlichen Auflagen erhebliche Investitionen in die Abwassersysteme vorgenommen werden. Die deutschen Verkehrsflughäfen gehen gemeinsam in den Verbänden ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) und BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft) gegen das Verbot von Formiatenteisungsmitteln vor. Über das ACI (Airports Council International) Europe soll weiterhin Einfluss auf das SAE genommen werden. In Gesprächen mit der bayerischen Wasserwirtschaftsbehörde, dem ACI Europe und der zuständigen SAE-Arbeitsgruppe wurde dargestellt, dass möglichst wenig Enteisungsmittel eingesetzt wird, um die Umweltauswirkungen gering zu halten. Hersteller der Enteisungsmittel sollen zukünftig zur Problemlösung eingebunden werden.

Zusätzlich zu den in der Risikomatrix dargestellten Risiken bestand im Vorjahr das Risiko von Qualitätsverlusten bei den Personal- und Warenkontrollen sowie bei der Alarmverfolgung aufgrund personeller Engpässe (Fehlstunden CAP). Durch einen erfolgreichen Personalaufbau sowie durch den Einsatz einer renommierten Sicherheitsfirma als Subunternehmer ist dieses Risiko zum 31. Dezember 2017 unter die Risikotoleranzgrenze gefallen.

Finanzrisiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Währungsrisiken Soweit geplanten Umsätzen in Fremdwährungen keine entsprechenden währungskongruenten Ausgaben gegenüberstehen, ergeben sich Währungsrisiken. Währungsrisiken sichert der Flughafen München mit Devisentermingeschäften ab.
Kredit- und Bonitätsrisiken Kredit- und Bonitätsrisiken entstehen vor allem aus kurzfristigen Geldanlagen sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Geldanlagen erfolgen in der Regel nur bei deutschen Kreditinstituten, die einer Einlagensicherung unterliegen. Zum Management von Bonitätsrisiken gehören eine Bonitätsprüfung der Kunden, eine stetige Überwachung der offenen Posten und ein stringentes Mahnwesen. In Abhängigkeit von der Bonität werden bestimmte Aufträge nur gegen Vorauszahlung oder Stellung von Sicherheiten in Form von Bürgschaften erbracht.
Zinsrisiken Zinsrisiken ergeben sich im Wesentlichen aus variabel verzinsten Finanzverbindlichkeiten. Zinsrisiken begegnet der Flughafen München durch Absicherung mit Zinspayerswaps.

Die FMG ist wie im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit üblich mit unterschiedlichen Rechtsstreitigkeiten konfrontiert. Diese können insbesondere zur Zahlung von Schadensersatz oder im Rahmen von Bauprojekten zu Änderungen der Leistungsvergütung führen. Ferner können weitere Rechtsstreitigkeiten eingeleitet oder bestehende Rechtsstreitigkeiten ausgeweitet werden. Neben den Sachverhalten, für die bereits bilanzielle Vorsorge getroffen wurde, erwartet die FMG aus weiteren bekannten Fällen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Für die nachfolgend aufgeführten Brutto-Finanzrisiken lag zum 31. Dezember 2017 die erwartete wirtschaftliche Belastung unter der Meldegrenze. Sie gingen daher nicht in die Risikoberichterstattung ein.

Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen verbleiben folgende Netto-Risiken:

Übersicht Netto-Risiken

Grafik: Übersicht Netto-Risiken

Chancen

Die Bereiche und Beteiligungen identifizieren, bewerten und steuern Chancen dezentral mit Unterstützung durch die Konzernbereiche Konzernentwicklung sowie Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement.

Im Folgenden werden Entwicklungen und Ereignisse aufgezeigt, die zu einer positiven Abweichung von der Planung führen könnten. Die Darstellung orientiert sich am Risikobericht, mit dem Unterschied, dass die horizontale Achse den Eintrittszeitpunkt – also den Erwartungshorizont zum Eintrittszeitpunkt von Chancen – und nicht die Eintrittshäufigkeiten darstellt. Bei im Zeitverlauf gleichbleibendem Einfluss erfolgt keine Mehrfachnennung. Im Falle eines veränderten wirtschaftlichen Vorteils werden Mehrfachnennungen vorgenommen. Der wirtschaftliche Vorteil tritt kurz-, mittel-, lang- oder sehr langfristig ein und wird periodisch betrachtet.

Übersicht Chancen

Grafik: Übersicht Chancen

Chancen

Chancen Beschreibung und Analyse
Konsum Die Bewältigung bestehender geopolitischer und finanzwirtschaftlicher Krisen könnte zu einer Steigerung der Konsumneigung der Fluggäste aus Regionen außerhalb Europas über das berücksichtigte Niveau hinaus führen.
Konjunktur Eine Steigerung des Wirtschaftswachstums über das berücksichtigte Niveau hinaus könnte zu einer höheren Zunahme der Umsatzerlöse führen.
Verkehr Eine Steigerung des Luftverkehrswachstums über das erwartete Niveau hinaus könnte zu Umsatzsteigerungen in allen Unternehmensbereichen führen.
Hub-Entwicklung Die wichtige Partner-Airline DLH könnte aufgrund einer weiteren Verbesserung ihrer Marktposition den Ausbau des Drehkreuzes am Standort Flughafen München verstärken, was zu einer Passagierentwicklung über Plan führen würde.
Digitalisierung Die FMG verfolgt die Strategie, das Geschäftsmodell des Flughafens besser an den Strukturwandel infolge der Digitalisierung anzupassen. Aus dieser Strategie könnten mittel- bis sehr langfristig Wachstumseffekte entstehen, die in der bisherigen Planung nicht vollständig berücksichtigt sind.
Off-Campus Das Off-Campus-Geschäft des Flughafens München (Dienstleistungen und Handel) könnte sich besser entwickeln als erwartet, mit entsprechendem Wachstum des Konzernergebnisses.
Real Estate Die Aktivitäten im Geschäftsbereich Real Estate könnten auf lange Sicht über das geplante Maß hinaus verstärkt werden, was zu einer Umsatzsteigerung in diesem und gegebenenfalls anderen Geschäftsfeldern führen würde.
CO2-Strategie Die fortschreitende Effizienzsteigerung bei energiesparenden Technologien und ein damit verbundenes besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bei der emissionsarmen Energieerzeugung könnten dazu führen, dass die Kosten der neuen CO2-Strategie des Flughafens München das erwartete Niveau unterschreiten.
Schienenanbindung Eine Verbesserung der Schienenanbindung über das erwartete Maß hinaus könnte zu einer Erweiterung des Passagiereinzugsgebiets und damit zu einer Steigerung des Umsatzes in allen Geschäftsfeldern führen.

Gesamtaussage zur Chancen- und Risikosituation

Für den Flughafen München als zweitgrößten Verkehrsflughafen in Deutschland und einen der größten Airports in Europa ist es wichtig, sich bietende Chancen aktiv zu nutzen, um durch ein stetiges Wachstum seine Position am Markt weiter zu verbessern. Aber auch Risiken rechtzeitig zu erkennen und ihnen systematisch entgegenzuwirken, ist ein zentrales Ziel des Flughafens München.

So wird jedes Jahr die aktuell erwartete Wirkung möglicher Ereignisse und Entwicklungen bereits in der Geschäftsplanung berücksichtigt. Die berichteten Chancen und Risiken sind als über das prognostizierte Unternehmensergebnis hinausgehende potenzielle Abweichungen definiert. Der Flughafen München konsolidiert und aggregiert die von den Unternehmensbereichen und Konzerngesellschaften gemeldeten Risiken und berichtet vierteljährlich an die Geschäftsführung und Gesellschafter. Chancen werden unter Einbezug der Konzernbereiche Konzernentwicklung sowie Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement identifiziert und gesteuert.

Unter Berücksichtigung des aktuellen Geschäftsplans hat sich die Chancen- und Risikosituation im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Es wurden keine neuen Risiken identifiziert, die sich potenziell kritisch auf das Ergebnis auswirken könnten.

Aus dem konzernweiten Risikomanagementsystem wie auch nach Einschätzung der Geschäftsführung waren im aktuellen Prognosezeitraum keine Risiken absehbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Fortbestand des Flughafens München gefährden.

Der Flughafen München weist darauf hin, dass verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren dazu führen können, dass die tatsächlichen Ereignisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen.

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