Lärmschutz

Foto: Lärmvolumen
2017 wurde das zulässige Lärmvolumen am Flughafen München nur zu 65 Prozent ausgenutzt.

Regelungen zum Lärmschutz

Flugzeuge unterliegen strengen Lärmgrenzwerten

Die wesentlichen Regeln für den Luftverkehr werden auf internationaler Ebene festgelegt. Unter dem Dach der Vereinten Nationen beschäftigt sich die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO (International Civil Aviation Organization) mit der Reduzierung von Fluglärm. Aber auch der Flughafenbetreiber kann besonders laute Flugzeugtypen ausschließen. Am Flughafen München dürfen laute Luftfahrzeuge ohne Zertifizierung nach Anhang 16 ICAO grundsätzlich weder starten noch landen. Für die geplante dritte Start- und Landebahn wird Gleiches für Flugzeuge gelten, die Kapitel 2 zugeordnet sind und auch Kapitel 3 nur knapp erfüllen. Andere Organisationen und Projekte verfolgen ähnliche Ziele: Der ACARE-Beirat der EU (Advisory Council for Aviation Research in Europe) strebt in seiner Vision 2020 die Halbierung des wahrgenommenen Lärms an, der »Flightpath 2050« der EU will die Lärmemissionen, ausgehend von 2000, bis 2050 um 65 Prozent absenken.

Nachtflugregelung am Münchner Airport

Die Nachtflugregelung sieht ein Lärmkontingent vor, das die Anzahl der Bewegungen sowie die Art und Größe der Flugzeuge berücksichtigt. Im Jahr 2017 wurde das zulässige Lärmvolumen am Flughafen München nur zu 65 Prozent ausgenutzt. Der durchschnittliche nächtliche Dauerschallpegel an der Schutzgebietsgrenze lag im Jahr 2017 unter dem erlaubten Wert von 50 dB(A). Die bestehende Nachtflugregelung aus dem Jahr 2001 gilt auch für die geplante dritte Start- und Landebahn. Die dritte Bahn dürfte nachts nur in Ausnahmesituationen genutzt werden – wie in Notfällen oder bei Ausfall einer der beiden anderen Bahnen.

Lärmminderungsmaßnahmen entlasten Anwohner

Der Flughafen München möchte die Belastungen durch Fluglärm für Anwohner und Mitarbeiter möglichst gering halten. Das geschieht unter anderem durch operative, technische und finanzielle Maßnahmen.

Fluglärmbetroffenheit

Laut jüngster Auswertung des Umweltbundesamts waren in ganz Deutschland 10,2 Millionen Menschen von Straßenlärm, 6,2 Millionen Menschen von Schienenlärm und 791.000 Menschen von Fluglärm mit einem durchschnittlichen Schallpegel von mehr als 55 dB(A) betroffen. Bei der Gegenüberstellung mit anderen Großflughäfen schneidet der Flughafen München aufgrund optimaler Standortvoraussetzungen sehr gut ab: Der Anteil der Personen, die im Flughafenumland wohnen und von Fluglärm betroffen sind, liegt am Flughafen München bei nur rund fünf Prozent der vergleichbaren Gruppe am Flughafen Frankfurt und bei lediglich einem Prozent im Vergleich zu den Anwohnern des Flughafens London-Heathrow.

Verkehrslärmbetroffene in Deutschland 1)

Grafik: Verkehrslärmbetroffenheit
1) Verkehrslärm zwischen 55 und 70 dB(A) 2) Alle Flughäfen, nicht nur Großflughäfen Quelle: Umweltbundesamt (UBA) 2016

Fluglärmbetroffene 3)

Grafik: Fluglärmbetroffene
3) Anzahl der Personen, die am Tag (24 Stunden) von Lärm über 55 dB(A) betroffen sind

Triebwerke beim Anflug im Leerlauf

Am Flughafen München besteht derzeit für alle Luftverkehrsgesellschaften die Möglichkeit, auf der Nordbahn nach einem optimierten Sinkflug-Profil zu landen. Bei diesem Continuous Descent Operations (CDO) genannten Verfahren sinkt das Flugzeug mit minimaler Triebwerksleistung, idealerweise im Leerlauf, und vermeidet so weit als möglich horizontale Flugphasen. Damit sind positive Effekte für die Airlines und die Umwelt verbunden: Kerosineinsparungen einerseits sowie weniger Lärm und CO2-Ausstoß andererseits. So reduziert sich der Lärm um bis zu 6 dB(A) wegen der größeren Überflughöhe im Vergleich zum Standardverfahren.

Kontinuierlicher Sinkanflug

Neue Triebwerksarchitektur halbiert Lärm

Die Entwicklung sehr leiser Flugzeugtypen wird sich durch die neuen Getriebefan-Triebwerke mit sehr hohem Wirkungsgrad weiter beschleunigen. Diese Triebwerksarchitektur verringert den Treibstoffverbrauch um 15 Prozent. Damit geht auch eine Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes und des Lärms einher. Der Flugzeugtyp A320neo ist damit bereits ausgerüstet. Er bedient als gegenwärtig effizientestes und leisestes Flugzeug Kurz- und Mittelstrecken am Flughafen München.

Die Lufthansa hat am Flughafen München 15 Langstreckenflugzeuge vom Typ A350-900 stationiert und nahm damit im Februar 2017 den regulären Liniendienst von München nach Delhi auf. Zehn weitere A350-900 sind bestellt. Sie lösen nach und nach die A340-600 ab. Neue moderne Flugzeugtypen wie die A350-900 verursachen im Vergleich zur A340 deutlich niedrigere Lärmpegel: Messergebnisse zeigen bei Starts bis zu 7 dB(A) weniger und bei Landungen bis zu 3 dB(A) weniger. Die A350-900 hat im Vergleich zur A340 eine um 40 bis 50 Prozent kleinere Lärmkontur und keine Pegel größer als 85 dB(A) außerhalb des Flughafengeländes. Mit dem Einsatz dieser Flugzeugtypen und besonders mit der Stationierung der A350 werden die Fluglärmimmissionen, insbesondere die Spitzenpegel im Umfeld des Flughafens, somit deutlich reduziert. Dies führt zu einer geringeren Fluglärmbelastung im Umfeld des Flughafens.

Landegebühr: je leiser, desto günstiger

Der Flughafen München nimmt mit lärmdifferenzierten Landegebühren Einfluss auf das eingesetzte Fluggerät. Fluggesellschaften, die leise Flugzeuge verwenden, profitieren von einem gestaffelten, stark gespreizten Gebührensystem. Die lärmabhängigen Start- und Landeentgelte können für einen lauten Flugzeugtyp bis zu achtmal höher sein als für einen leisen.

Vergleich der Lärmkonturen der Flugzeugtypen Airbus A340-600 und A350-900

Grafik: Vergleich der Lärmkonturen der Flugzeugtypen Airbus A340-600 und A350-900

Dichtes Messnetz zur Fluglärmüberwachung

Mit 16 ortsfesten Messstellen überwacht die FMG kontinuierlich den Fluglärm im Umkreis von etwa 20 Kilometern um den Münchner Airport. Zusätzlich bietet sie mobile Messungen als freiwilligen Service auf Anfrage von Gemeinden, die nicht vom stationären Messanlagennetz abgedeckt sind. 2017 wurden bei neun mobilen Fluglärmmessungen an insgesamt 280 Tagen Werte aufgezeichnet – erstmals auch in Maierklopfen, Pastetten, Buch am Buchrain, Kirchheim und Mintraching-Grüneck. In Anzing, Oberndorf, Lengdorf und Ismaning erfolgten bereits zum wiederholten Mal mobile Messungen.

Standorte der ortsfesten Lärmmessstellen der Flughafen München GmbH

Fluglärmüberwachung online

Infos über die aktuelle Lärmsituation in der Flughafenregion finden Bürger auf der Plattform »Fluglärmüberwachung online«. Bei »FluMo Plus« sind neben aktuellen Messwerten der 16 stationären Fluglärmmessstellen nunmehr auch Daten von den drei mobilen Messfahrzeugen abrufbar.

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